Unterwegs entdeckt

Davos in der Schweiz: Urlaub nur für die Reichen und Schönen?

12. Januar 2017

Davos Schweiz Abfahrt Skipiste Parsenn

„Davos schön ist“ ist das Wortspiel, wenn von dem Schweizer Winter-Hotspot die Rede ist. Dann folgt der Zusatz: „Davos teuer ist.“ Die Preise für Essen und Übernachten sind hoch, was auch am hohen Lohnniveau der Schweizer liegt. Dazu kommt: Der Währungsschock entfaltet seine volle Wucht. Seit die Schweizer Nationalbank im Januar 2015 den Wechselkurs freigab, wertete der Franken massiv auf. Statt 1,20 Franken bekamen die Touristen plötzlich nur noch einen Franken für einen Euro. Das tut weh! Womit lockt also die Tourismusbranche? Ist Davos wirklich nur etwas für Superreiche? Und: Was bekommt man für sein Geld? Ich habe mich im Rahmen einer Pressereise vor Ort umgeschaut und habe einige Perlen entdeckt!

Ein Gastbeitrag von Heidi Hagemann

Urlaub in Davos – außergewöhnlich und erlebnisreich

Davos in der Schweiz

Davos – der Urlaubsort der Reichen und Schönen hat auch für Otto-Normalverbraucher einiges zu bieten.

Dass Supereiche in Davos Urlaub machen, ist bekannt. Doch wen spricht die Tourismusbranche sonst noch an? Skicracks, Individualreisende und Touristen, die Wert auf Nachhaltigkeit und Beschaulichkeit legen, kämen in Davos auf ihre Kosten, berichtet Aurelia Schmid, Pressesprecherin der Destination Davos/Klosters. Sie empfiehlt die anliegenden Skigebiete Parsenn, Jakobshorn, Madrisa, Rinerhorn und Pischa mit rund 300 Pistenkilometern – geeignet für alle Könnensstufen.

Sonnenaufgang auf der Parsenn-Abfahrt

Traumhaft schön - Sonnenaufgang in Davos

Traumhaft schön – Sonnenaufgang in Davos

Skipiste Parsenn in Davos

Meine dreitägige Erkundungstour beginnt im Hotel Alpina in Klosters. Dort wird der Gast ganz individuell angesprochen. Die alpenländliche Architektur und detailverliebte Einrichtung überzeugen sofort. Das Essen mit saisonalen und internationalen Gerichten ist exzellent. Ein Doppelzimmer kostet ab 149 Franken. Klingt viel, es wird aber auch viel geboten: Ein reichhaltiges Frühstücksbuffet mit selbst gemachten Zutaten sowie ein Wellnessbereich mit finnischer Sauna, Dampfbad und Pool.

Urlaub in Davos Schweiz

Ein herzlicher Willkommensgruß!

Nach einer kurzen Nacht stehe ich um sieben Uhr auf der frisch präparierten Piste. Beim „First-Track-Skifahren“ in 2000 Metern Höhe auf der Parsenn glänzt der Pulverschnee zum Sonnenaufgang im seichten Morgenlicht. Noch bevor die erste Bergbahn oben ist, haben ein paar Frühaufsteher und ich die 12 Kilometer lange Anfahrt ganz für uns alleine. Ein einzigartiges Erlebnis! Ich belohne mich im Panorama-Restaurant mit einem üppiges Mittagessen: Zürcher Geschnetzeltes zum Preis von 38 Franken. Ja, es ist mir das Geld wert, traumhafter Blick, super Qualität und eine Riesenportion.

Madrisa-Land: Familienspaß auf der Alm

Oberhalb vom gemütlichen Klosters liegt das kleine, familiäre Ski- und Wandergebiet Madrisa. Dort entsteht derzeit der größte Erlebnispark in den Schweizer Alpen. Dieser wird auch für körper- und sehbehinderte Menschen das ganze Jahr über zugänglich sein. Darauf ist der Betreiber und Geschäftsführer Hacher Bernet besonders stolz. „Mit Hilfe von Sponsoren sind wir auf dem besten Wege. Dafür haben wir eigens eine Stiftung gegründet.“ Der umtriebige Geschäftsmann lässt nicht locker, wenn es um die gute Sache geht. Der Frankenschock sitze auch seinem Business im Nacken, aber er nimmt es sportlich. Bei den Nachbarn in Österreich zahle der Tourist schließlich auch ein paar Euros mehr, wenn dafür die Qualität stimme. Graubünden ist bekannt für seine Sagen, von diesen kann man in einem Erlebnispark erfahren. „Die Spiele zeigen auf, was sich vor Jahren hier in der Bergwelt abgespielt hat“, erklärt Aurelia Schmidt. Im Sommer kann man übrigens in einem Tipi, im Heu oder einer Baumhütte mit Blick auf die Berge nächtigen.

Schatzalp: entschleunigter Berg mit Geschichte

Die wiederöffnete „Schatzalp“ liegt auf einem Plateau 300 Meter über Davos.

Als nächstes begebe ich mich auf die ursprüngliche „Schatzalp“ auf einem Plateau 300 Meter über Davos. Das kleine Skigebiet war sieben Jahre lang geschlossen, jetzt laufen die Lifte wieder – mit genau derselben Behäbigkeit wie früher. Das erklärte Motto: Ruhe statt Rambazamba. Winter also, wie er früher einmal war? Genauso präsentiert sich mir die Alm an diesem sonnigen Wintertag: Großeltern ziehen ihre Enkelkinder auf dem Schlitten hinter sich her, Hundebesitzer gehen mit ihren Vierbeinern spazieren, Schneeschuh- und Winterwanderer geben sich ein Stelldichein. Ein kleines 3-Sterne-Jugendstilhotel (DZ ab 214 Euro inklusive sehr gutem Frühstück) ist auf dem Berg angesiedelt. Auf künstliche Beschneiung verzichten die Betreiber ganz bewusst. Die Pisten werden trotzdem jede Nacht präpariert, aber eben nur solange der Schnee reicht und die Natur es erlaubt. Besonders urig ist die nostalgische Berghütte „Strela Pass“ auf 2850 Metern. Diese erreicht man von der Schatzalp mit dem historischen Sessel- und Schlepplift. Die traditionsreiche Hütte wartet mit über 70 Jahren Geschichte auf. Mein Tipp: der abendliche „Fondue-Schlittelplausch“ mit Abfahrt auf der beleuchteten Schlittenbahn.

Davoser Schlittenbau 2.0

Schlittenbau in Davos

Erfolgreiches Crowdfunding-Projekt: „Unser Davoser Schlitten ist nicht einfach nur ein Stück Holz.“

Apropos Schlitten: „Der Davoser Schlitten ist der meistbenutzte Schlitten auf der Welt. Und das schon seit Generationen“, erklärt Schreinermeister Paul Ardüser. Er berichtet in seiner Werkstatt über die Kunst des Schlittenbaus. Die Holzkonstruktion mache ihn dabei so besonders. Seit 2015 wird der Davoser Schlittenbau wieder praktiziert – nach alter Tradition und mit Hilfe eines Crowdfunding-Projektes. „Unser Davoser Schlitten ist nicht einfach nur ein Stück Holz, mit dem man im Winter die Hänge herunter brettert, er verkörpert Tradition und Erinnerungen aus der Kindheit – wir sind stolz darauf, dass wir dies nun fortsetzen können“, erklärt Ardüser. Der hohe Preis von 500 Franken ist schnell erklärt: Handarbeit, Eschenholz und Beschläge aus Spezialmetall zeichnen den Rodel aus. Zimmermann Remo Brülhart leitet das Projekt und ist mit Herzensblut dabei: „Wir schreiben Geschichte von Davosern für Davoser und haben im Vorfeld Geheimnisse mit den alten Schlittenbauern geteilt“, schmunzelt der 29-jährige. Jetzt wolle man die Chance nutzen, sich von fernöstlicher Ware abzuheben. Dabei benutzen die lokalen Konstrukteure weder Leim noch Schrauben. Zu guter Letzt würden die Schlitten nicht lackiert, sondern geölt.

Davos-Schlitten

Die Davos-Schlitten werden von Hand aus Eschenholz gebaut.

Schlafen im Iglu-Dorf

Seit 20 Jahren machen Iglu-Liebhaber in fünf verschiedenen Skigebieten der Schweizer Berge und auf der Zugspitze von sich reden. Das Eishotel-Projekt ist sehr erfolgreich und wird jeden Winter neu und zu einem bestimmten Thema aufgebaut – geöffnet sind die Resorts von Ende Dezember bis Anfang April. Nicht nur zum Übernachten, auch zum Aprés-Ski ist es sehr beliebt. Vor dem Schlafen lädt eine Kota-Holzhütte mit Kaminfeuer zum Chillen ein. Übernachtet wird auf mit Schafsfellen ausgelegten Betten und in antarktistauglichen Schlafsäcken. Na, das ist wohl etwas für Abenteurer und naturverbundene Menschen, denke ich. Die Übernachtung kostet pro Person ab 159 Franken, für diesen Aufwand aber gerechtfertigt.

Auf den Spuren der Walser

Im Dörfchen Monstein schnuppere ich ein wenig Geschichte über die Walser. Es weist heute noch die typischen Merkmale eines Walserdorfes auf: mit Holzhäusern und Speichern auf Pfosten – einige davon sogar noch mit Lärchenschindeln eingedeckt. „Der wachsende Bevölkerungsdruck und die Suche nach neuen landwirtschaftlichen Anbauflächen war der Grund für die mittelalterlichen Walserwanderungen, so befreiten sie sich aus der feudalen Leibeigenschaft“, erklärt Aurelia Schmid. Monstein sei auf jeden Fall ein lohnenswertes Ausflugsziel für Wanderer, Skitourengänger und Mountainbiker. Und wer gerne Bier trinkt, kann freitags von 16 bis 19 Uhr eine kleine Brauerei besichtigen und den Gerstensaft probieren. Umsonst! Im Angebot der höchst gelegenen Schau-Brauerei der Schweiz stehen typische helle Biere aus Mittelfranken gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot.

„Gemsli“ – Bergzuhause eines Burnout-Patienten

An einem rauschenden Bergbach liegt das Walserdorf Schlappin. Feuer knistert im Kamin einer typischen Bündnerstube, es riecht lecker nach Essen. Draußen schneit es unaufhörlich, das tolle Panorama kann ich also nur erahnen. „Unsere Gäste verbindet die Freude an der Natur und am bewussten Genießen“, erklärt Tobias Jäkel, Koch und Betreiber des „Gemsli“. Der Inhaber, ein ehemaliger Investmentbanker entdeckte 2009 während einer Auszeit die Berghütte am Fuße der Silvretta, in unmittelbarer Nähe zum Montafon. Das „Gemsli“ hat kleine Doppelzimmer und kann auch komplett als Chalet oder für Firmenevents gebucht werden. Skitouren und Schneeschuh-Wanderungen seien besonders beliebt bei den Gästen, erklärt Tobias Jäkel. Die Übernachtung im Doppelzimmer mit selbst gemachten Frühstücksköstlichkeiten ist hier ab 120 Euro zu haben.

Käsefondue im Schraemli’s Lengmatta

Traditionelles Gericht: Käsefondue

So kann man das Nationalgericht Käsefondue natürlich auch bewerben.

Natürlich komme ich nicht umhin, ein typisches Käsefondue zu probieren. Das schweizerische Nationalgericht wird überall angeboten. Besonders lecker und im tollen Ambiente ist es im nagelneuen Heuställi des Restaurants und Hotels „Schraemli’s Lengmatta“. Das ehemalige Bauernhaus ist typisch alpenländlich eingerichtet, es liegt etwas außerhalb und ist Ausgangspunkt oder Zwischenhalt für Wanderungen.

Fazit – kann Davos nur teuer?

Nach meinem dreitägigen Kurzurlaub mit intensiven Gesprächen, Aktivitäten und kulinarischen Highlights fällt das Urteil sehr gut aus. Davos kann gut und abwechslungsreich! Kein Einheitsbrei, keine Skitouristenabzocke, sondern ehrliche Menschen, nachhaltige Denke und Regionalität. Das darf dann auch mal etwas teurer sein. Aber es geht auch günstig. Davos bietet Unterkünfte für jedes Budget, zum Beispiel auch über Airbnb. Ich habe vor Ort schöne Quartiere für Gruppen, Familien und Individualreisende entdeckt. Hier ein Überblick:

Haus Waldschlössli:

Der Sportclub Waldschlössli eignet sich ideal für Gruppen zwischen 80-160 Personen. Das 2010 renovierte Haus liegt im Zentrum von Davos, im Ortsteil Davos-Platz. Es gibt Zimmer ab zwei bis acht Personen. Anfragen unter www.gruppenhaus.de.

Zentrum Haus Davos:

Doppelzimmer kosten ab 80 Euro einem eigenen oder Gemeinschaftsbad und haben Zugang zu einer Gemeinschaftsküche. Warum also mittags nicht mal selbst ein leckeres Zürcher Geschnetzeltes kochen und dieses auf dem Balkon mit traumhaftem Blick genießen? www.zentrumhaus.ch/de

Hotel Cresta:

Das Hotel Cresta befindet sich in zentraler und doch ruhiger Lage in Davos Platz, 300 Meter vom Kongresszentrum Davos entfernt, inklusive Frühstück und Nutzung des Wellnessbereichs. Das Doppelzimmer in dem 3-Sterne-Haus gibt es bereits ab 93 Euro. www.cresta-hotels.ch

Aktion „Skipass geschenkt“:

Laut Information von Davos Klosters Tourismus ist der Skipass in teilnehmenden Hotels und Unterkünften in der Vorsaison bis zum 25. Dezember im Preis inklusive (Preis ab 85,60 CHF p.P). Mehr Infos dazu unter www.davosklosters.ch.

Links:

www.schatzalp.ch

www.madrisa-land.ch

www.lengmatta-davos.ch

www.ardueserschreinerei.ch

www.biervision-montein.ch

www.gemsli.ch

www.alpina-klosters.ch

 Anreisetipps:

Mit dem Europa-Sparpreis der deutschen und schweizerischen Bahn und der Räthischen Eisenbahn bin ich ganz entspannt bis vor die Haustüre gefahren (ab 39 Euro). Das Auto habe ich zuhause gelassen und mir damit Spritkosten und Vignette erspart.

Fotos: Schweiztourismus

Anmerkung: Vielen Dank für Deinen tollen Gastbeitrag, liebe Heidi!

Mehr Lust auf Urlaub! Entdecke Glamping für Dich:

Glamping am Gardasee
Glamping: Luxus-Camping an der Toskana

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply